100 Tage auf Substack
Mein Fazit: Ein Ort, an dem man liest, statt konsumiert wird.
Vor hundert Tagen bin ich mit diesem Newsletter auf Substack umgezogen.
Die Plattform, mit der meine wöchentlichen Emails nicht nur ins Postfach kommen, sondern auch in Blog-Form weiterhin verfügbar sind.
…aber wie sich das Ganze in den ersten 100 Tagen entwickelt hat, hat mich durchaus überrascht.
Im Kern ist Substack simpel:
Du bekommst meinen Newsletter per Email oder direkt in die App.
Die Emailadressen gehören den Schreibenden.
Alles bleibt auffindbar.
Die Plattform ist Werbefrei (!) und wird durch AutorInnen finanziert, die ein kostenpflichtiges Abo ihres Newsletters anbieten.
Es ist ein Ort, an dem man liest, statt konsumiert wird.
Anfang September dachte ich noch, ich schreibe einfach eine Email pro Woche und gut ist.
Doch bald begriff ich, dass diese Plattform seit kurzem noch viel mehr kann.
Dass die eigentliche Bewegung in den Notes, den zusätzlichen, kleinen Beiträgen entsteht.
Dort sehe ich, was andere Autoren gerade beschäftigt, was sie geliked haben; welche anderen Autorinnen sie weiterempfehlen und zitieren.
Zuerst schrieb ich diese Notes nur sporadisch, eine bis keine am Tag.
Bis ich immer öfter über die Empfehlung stolperte, für Wachstum drei bis vier Notes pro Tag zu veröffentlichen.
Also probierte ich es aus.
Und tatsächlich!
Die Kurve der Abonnenten-Zahl begann zuerst langsam (ab ende September) und dann doch recht steil anzusteigen:
Und einige Notes zogen doch schon weite Kreise.
Nicht “schock-viral” sondern eher organisch. Wie eine Spur im Schnee, der sich andere anschliessen.
Seit ich auf Substack schreibe, merke ich, wie sich mein Blick auf die sozialen Medien verändert.
Besonders bei Instagram, meiner bisherigen Hauptplattform als Künstlerin.
In diesen hundert Tagen habe ich auf beiden Orten einen vergleichbaren Aufwand betrieben. Nicht in der Anzahl Beiträge, aber in Stunden, Aufmerksamkeit und Gedanken.
Doch während auf Substack Bewegung und Austausch entstand, blieb Instagram nahezu still.
Kein Wachstum, kaum Resonanz.
Lange vermutete ich, meine Beiträge seien einfach zu schlecht, darum kriegen sie keine Reichweite. Autogaslighting vom Feinsten.
Aber im Hinblick auf den Substack-Wachstum und das Engagement liegt es vielleicht nicht ausschliesslich an mir…🤪
Die soziale Medien scheinen einem Zyklus unterworfen zu sein:
Plattformen beginnen offen, leicht, vielversprechend, voller Möglichkeiten für jene, die etwas erschaffen wollen.
Dann werden sie nutzerfreundlich, klar strukturiert, angenehm.
Später rückt die Werbung ins Zentrum.
Und irgendwann ist alles nur noch Geldhahn.
Zu viel Wettbewerb, zu viel Politik und Propaganda, zu viel Dopaminkeule und Ragebait im Algorithmus.
Ein überfüllter Raum, der sich innerlich leer anfühlt.
Doch der eigentliche Gedanke geht weiter: Müssen soziale Medien zwingend in (US-) Oligarchen Firmenhand sein?
Wie könnte ein digitaler Raum aussehen, der demokratisch bleibt, werbefrei funktioniert, transparent handelt und nicht manipuliert.
Vielleicht mal einer, der europäisch gedacht ist. (…was könnte ‘europäisch’ bedeuten?)
Ein Raum, der nicht auf Aufmerksamkeit optimiert ist, sondern auf Austausch und Verbindung. Eine “Soziale Plastik” sozusagen.
Zurzeit erlebe ich die deutschsprachige Substack Community als Inspiration für einen solchen Ort. Ruhig, offen, überraschend respektvoll und inspirierend.
Vielleicht wird auch diese Plattform bald überladen und lauter.
Vielleicht bleibt sie leicht und inspirierend?
Wir wissen es nicht.
Mein Fazit fällt heute klar aus: Ich bin gekommen, um zu bleiben.
Substack fügt sich gut in meine künstlerische Arbeit ein.
Der langfristig wichtigste Grund scheint unscheinbar und ist gleichzeitig zentral: Ich besitze meine Emailliste.
In einer digitalen Landschaft, die sich ständig verändert, fühlt sich das an wie ein Bergmassiv mitten im sich stetig verändernden Wetter.
Diese 100 Tage waren ein guter Anfang.
Und ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickeln wird.
✨
Liebe Grüsse
Franziska
P.s.: Lass mich gerne wissen, wie Du das mit Substack und den Sozialen Medien erlebst!




